Das Handwerk stemmt sich gegen die Krise
Konjunkturanalyse zeigt stagnierende Wirtschaft
Erschienen am Donnerstag, 29. Oktober 2026 Lesezeit 4 Min.

Die Stimmung im ostsächsischen Handwerk bleibt verhalten. Es fehlen Wachstumsimpulse, die der Wirtschaft neuen Schwung geben. Doch das Handwerk stemmt sich gegen die Krise. Trotz schwacher Konjunktur halten die Betriebe an ihren Beschäftigten fest. Steigende Energie- und Rohstoffpreise, unterbrochene Lieferketten, die Konsumzurückhaltung von Seiten der Verbraucher und auch die starke Zurückhaltung der Industrie belasten die Geschäfte im Handwerk. Statt eines Aufbruchs oder gar eines Aufschwungs befinden sich viele Unternehmen daher in schwierigen Situationen. Auch kommen bisher die Impulse, die durch das Sondervermögen des Bundes ausgelöst werden sollen, nicht bei den Handwerksbetrieben an, bilanziert Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden die Situation.
Um Veränderungen anzustoßen, muss die Politik aktiv werden. Gerade jetzt kommt es darauf an, durch Reformen Anreize zu setzen für einen wirtschaftlichen Aufschwung, betont Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden. Es fehlt aktuell schlicht an politischen und wirtschaftlichen Impulsen insbesondere aus Berlin. Denn nur mit Reformen wird sich die Lage bessern. Betriebe und Beschäftigte brauchen mehr finanziellen Spielraum für Investitionen und Konsum.
Zugleich hebt der Dachdeckermeister und Unternehmer hervor, dass die Attraktivität der Selbstständigkeit dringend gesteigert werden muss. Denn den Traum, der eigene Chef zu sein, haben immer weniger Menschen. Der Anteil der Beschäftigten, die sich einen Wechsel in die Selbstständigkeit vorstellen können, stagniert bei rund einem Drittel. Mehr als die Hälfte der abhängig Beschäftigten kann sich hingegen eine Selbstständigkeit für sich nicht vorstellen. Ein Drittel lehnt sie kategorisch ab.
Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheiten, in Zeiten der Schwäche und Krisen braucht es mutige Unternehmer. Es braucht Menschen, die den Wandel gestalten und besondere Tatkraft an den Tag legen. Aber es muss eben auch attraktiv sein Unternehmer zu sein. Es muss sich lohnen, die Ärmel hochzukrempeln und anzupacken. Wir benötigen dringend lösungsorientierte Ansätze,
um die Attraktivität der Selbstständigkeit zu stärken.
Ergebnisse der Konjunkturanalyse für den Herbst 2026
Das Geschäftsklima im ostsächsischen Handwerk liegt bei 103 Punkten. Das ist exakt der Wert vom Herbst 2025. Seit drei Jahren setzt sich damit die Seitwärtsbewegung ohne nennenswerte Ausschläge nach oben oder unten fort. Es fehlen weiterhin Anzeichen für eine Erholung der Lage. Aktuell sehen 40 Prozent der Handwerksbetriebe ihre Geschäftslage als gut an, 43 Prozent als befriedigend. Die Unternehmen schauen mehrheitlich skeptisch in die Zukunft. Lediglich 8 Prozent erwarten bessere Geschäfte in den nächsten Monaten, 22 Prozent erwarten sogar eine Verschlechterung.
Die Umsatzzahlen entwickeln sich kaum. 23 Prozent der Unternehmen berichten von gesunkenen Umsätzen, 17 von gestiegenen.
Auch die Auftragslage ist weiterhin angespannt. 27 Prozent der Betriebe melden aktuell einen unterdurchschnittlichen Auftragsbestand. Lediglich 7 Prozent der Unternehmen berichten von überdurchschnittlich gut gefüllten Büchern. Viele Unternehmen blicken sorgenvoll auf die nächsten Monate. Bei einer durchschnittlichen Auftragsreichweite von neun Wochen, wissen manche nicht, wie Sie am Anfang des neuen Jahres dastehen werden.
Trotz dieser Negativfaktoren halten die Unternehmen aber an ihren Beschäftigten fest. 74 Prozent der Befragten Unternehmen berichten von gleichbleibenden Beschäftigtenzahlen. Lediglich 15 Prozent der Betriebe haben im vergangenen halben Jahr Personal abgebaut, immerhin 11 Prozent Personal aufgebaut. Zudem bilden viele Unternehmen trotz des schwierigen konjunkturellen Umfeldes aus, um für sich die Fachkräfte der Zukunft zu generieren.
Sehr deutlich angezogen hat in den vergangenen Monaten die Preisentwicklung. 70 Prozent der Betriebe berichten von gestiegenen Einkaufspreisen. Das sind 20 Prozentpunkte mehr als noch vor einem Jahr. Die Betriebe passen daher auch ihre Verkaufspreise an. 37 Prozent der Unternehmen haben ihre Preise bereits erhöht, 48 Prozent planen Erhöhungen.
Die komplette Konjunkturanalyse finden Sie unter:
www.hwk-dresden.de/konjunktur



