Mittelstandsstudie
Unternehmen schöpfen Potenziale der Gesundheitsförderung nicht aus
Erschienen am Donnerstag, 15. Oktober 2026 Lesezeit 4 Min.
Die große Mehrheit mittelständischer Unternehmen erkennt den hohen Stellenwert der Gesundheit ihrer Beschäftigten für den wirtschaftlichen Erfolg an. Dennoch bleibt die betriebliche Gesundheitsförderung in vielen Firmen hinter ihren Möglichkeiten zurück. Das zeigt die Studie „Gesunde Arbeit. Anspruch und Wirklichkeit im Mittelstand“, die die Barmer gemeinsam mit F.A.Z. Business Media | research durchgeführt hat. Zahlreiche Unternehmen wissen, dass gesunde Beschäftigte motivierter, leistungsfähiger und langfristig stärker an ihren Arbeitgeber gebunden sind. Zwischen Bewusstsein und konsequenter Umsetzung klafft jedoch häufig eine Lücken. Nach den Ergebnissen der Untersuchung bewerten 94 Prozent der befragten Unternehmen die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden als wesentlichen Erfolgsfaktor. Sobald es jedoch um konkrete Investitionen und strukturelle Maßnahmen geht, zeigen sich deutliche Vorbehalte. Nach Worten von Barmer-Landeschefin Leyh werde eine aktive gesundheitsförderliche Gestaltung von Arbeitsbedingungen in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten noch immer zu häufig nachrangig behandelt. Dabei könne gerade sie dazu beitragen, Fehlzeiten zu reduzieren, die Arbeitgeberattraktivität zu steigern und Fachkräfte langfristig zu sichern. Laut Studie gelten lediglich 40 Prozent der befragten Führungskräfte als aktive Botschafter, sind informiert, engagiert und im Sinne einer gesunden Arbeitsgestaltung handlungsorientiert. Besonders häufig finden sich Befürworter in Personalabteilungen oder im betrieblichen Gesundheitsmanagement. Dort fehle jedoch oftmals die Möglichkeit, entsprechende Konzepte verbindlich zu etablieren. Auf den eigentlichen Entscheidungsebenen zeigen sich dagegen erhebliche Vorbehalte. 27 Prozent der Verantwortlichen stehen Maßnahmen zur Gesundheitsförderung skeptisch gegenüber. Weitere 33 Prozent erkennen zwar deren Bedeutung an, zweifeln jedoch an Nutzen, Wirksamkeit oder Wirtschaftlichkeit. Wer gesundheitliche Prävention ausschließlich als Kostenfaktor betrachtet, übersieht ihre langfristigen Effekte. Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels in Berlin und Brandenburg können gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden.
Welche Rolle spielt der Führungsstil für die Gesundheitskultur?
Die Studie zeigt einen engen Zusammenhang zwischen Führungsverhalten und Gesundheitskultur. Unternehmen mit einem kooperativen Führungsstil setzen gesundheitsfördernde Maßnahmen häufiger und nachhaltiger um. Gleichzeitig ist die Überzeugung von deren Nutzen dort deutlich stärker ausgeprägt. Autoritäre Führungsansätze gehen dagegen häufiger mit Skepsis gegenüber betrieblicher Gesundheitsförderung einher.
Bewerten weibliche und männliche Führungskräfte die Bedeutung von Gesundheit am Arbeitsplatz unterschiedlich?
Ja. Während 72 Prozent der weiblichen Führungskräfte Gesundheit als wichtigen Faktor für den Unternehmenserfolg ansehen, sind es bei den männlichen Führungskräften 55 Prozent.
Hat das Alter von Führungskräften Einfluss auf die Bewertung gesundheitsfördernder Maßnahmen?
Ja. Besonders ausgeprägt ist das Gesundheitsbewusstsein bei 30- bis 49-Jährigen. In diesen Altersgruppen stimmen 88 Prozent der Aussage eher zu, dass sich Investitionen in gesundheitsfördernde Maßnahmen langfristig auszahlen. Bei den 18- bis 29-Jährigen liegt der Wert bei 66 Prozent. In den Altersgruppen der 50- 78-Jährigen beträgt er 74 Prozent.
Wie stehen Beschäftigte zu gesundheitsfördernden Maßnahmen?
35 Prozent der befragten Führungskräfte geben an, eine mangelnde Beteiligung oder Motivation der Beschäftigten erschwere die Umsetzung entsprechender Angebote. Aus Sicht der Barmer unterstreicht dies die Bedeutung von Partizipation. Gesundheitsmaßnahmen entfalten ihre Wirkung besonders dann, wenn Beschäftigte frühzeitig in Planung, Auswahl und Umsetzung eingebunden werden.
Wie wurde die Studie durchgeführt?
Die Studie „Gesunde Arbeit. Anspruch und Wirklichkeit im Mittelstand“ wurde von F.A.Z. Business Media | research im Auftrag der BARMER als repräsentative Mittelstandsuntersuchung erstellt. Zwischen März und Mai wurden insgesamt 550 Interviews mit Unternehmensentscheidern aus Betrieben mit 50 bis 2.000 Beschäftigten durchgeführt. Davon erfolgten 257 Befragungen telefonisch und 193 im Rahmen einer Online-Erhebung.



