Gewalt bleibt meist unsichtbar

Die bundesweite Dunkelfeldstudie „LeSuBiA“ zeigt ein alarmierendes Bild: Weniger als zehn Prozent der Gewalttaten werden angezeigt. Bei psychischer und körperlicher Gewalt in (Ex-)Partnerschaften liegt die Anzeigequote sogar unter fünf Prozent. Das bedeutet: 19 von 20 Taten bleiben im Dunkeln.Besonders betroffen sind Frauen vor allem bei sexualisierter Gewalt, sexueller Belästigung und Stalking. Fast jede sechste Person erlebt körperliche Gewalt in der Partnerschaft. Knapp die Hälfte der Frauen (48,7 Prozent) und 40 Prozent der Männer berichten, mindestens einmal in ihrem Leben psychische Gewalt in einer Beziehung erlebt zu haben. Obwohl Männer und Frauen in den letzten fünf Jahren ähnlich häufig körperliche Gewalt erfahren haben (Frauen 5,2 Prozent, Männer 6,1 Prozent), leiden Frauen häufiger unter Verletzungen, empfinden stärkere Angst und schätzen die Situation öfter als lebensbedrohlich ein. Sexuelle Belästigung ist weit verbreitet: Fast jede zweite Person hat sie bereits erlebt. In den vergangenen fünf Jahren war mehr als ein Drittel der Frauen betroffen, bei Männern etwa jeder Siebte. Mehr als jede zehnte Person wurde Opfer eines sexuellen Übergriffs. Beim Stalking berichten über 20 Prozent der Befragten von entsprechenden Erfahrungen im Laufe ihres Lebens. Besonders alarmierend ist die Situation junger Menschen. Digitale Gewalt trifft jede fünfte Frau und jeden siebten Mann innerhalb von fünf Jahren. Bei 16- bis 17-jährigen Mädchen waren es sogar über 60 Prozent. Auch sexuelle Belästigung und der Einsatz von K.o.-Tropfen betreffen jüngere Menschen überdurchschnittlich häufig.
Hinzu kommt: Viele Betroffene haben bereits in ihrer Kindheit Gewalt erlebt. Mehr als jede zweite junge Person berichtet von körperlicher Gewalt durch Erziehungsberechtigte, mehr als jede dritte von psychischer Gewalt. Fast jede vierte Person hat Gewalt zwischen den Eltern miterlebtein Risikofaktor, selbst später erneut Gewalt zu erfahren.Neben Frauen und jungen Menschen sind auch Personen mit Migrationshintergrund sowie Angehörige der LSBTIQ*-Community besonders häufig von Gewalt betroffen.

Die Studie basiert auf rund 15.000 Befragten im Alter von 16 bis 85 Jahren und schließt eine langjährige Datenlücke. Sie macht deutlich: Gewalt ist kein Randphänomen, sondern betrifft Millionen Menschen. Ziel ist es nun, Schutz- und Hilfsangebote auszubauen, Hürden für Anzeigen abzubauen und Prävention gezielt zu stärken.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Dunkelfeldstudie „LeSuBiA“

error: