Zur Zukunft der Kultur und ihrer Häuser in Fürstenwalde

Die finanzielle Notlage des diesjährigen Haushaltsplanes und die daraus abgeleiteten Beschlüsse zur starken Reduzierung der Kulturförderung wird dem Niveau und dem kulturellen Ansehen Fürstenwaldes sehr schaden. Die vielseitigen Programme der Kultureinrichtungen wurden auch überregional sehr geschätzt. Kulturförderung wird üblicherweise zu den freiwilligen Aufgaben des Haushaltes gezählt. Ich muss glauben, dass viele Abgeordnete aber auch unser Bürgermeister der Meinung sind, dass in diesem Bereich Kürzungen am wenigsten schmerzen. Aber Kultur in ihrer Vielfalt ist nicht nur ein oft unterschätzter Wirtschaftsfaktor, sondern hat auch in großem Maße Bildungsaufgaben und fördert das Zusammenleben der Gesellschaft, der Fürstenwalder. Mit großem Engagement haben nach der Wiedervereinigung Fürstenwalderinnen und Fürstenwalder nicht nur das Bestehende erhalten, sondern auch Neues aufblühen lassen. Es gab keinen Bruch, wie in vielen anderen Städten. Die Stadtverwaltung unterstütze die Programme. Finanzierungen waren überall ein Problem. Ich konnte die Idee eines soziokulturellen Zentrums durch den Aufbau der „Kulturfabrik,“ finanziert durch das Land Brandenburg, den Landkreis und unsere Stadt realisieren. Da gab es durchaus viele Zweifel an der Realisierungsmöglichkeit. Aber am Ende unterstützten alle das Projekt.

Die Fabrik wurde und wird vielfältig genutzt. Mit ihren Programmen strahlt sie heute weit in die Region aus.

Das Museum Fürstenwalde bezog das ehemalige Schulhaus nebenan und kann nun seine Sammlung in guter Gestaltung präsentieren und auch eine wichtige Bildungsaufgabe erfüllen. 
Das Fürstenwalder Museum hat für die Geschichte der Stadt große Bedeutung. Es dokumentiert in seinen zum Teil sehr bedeutenden Objekten, wie der einmaligen Geschiebesammlung, oder der Handwerkskunst und bewahrt auch künstlerische Nachlässe und Schenkungen (G. Goßmann Nachlass, Ludwig Mords Schenkungen und Anderer aus Fürstenwalder Stadtgeschichte).

Auch der von den „Fürstenwalder Brauereifreunden“ betriebene Keller des Rathauses ist ein Teil der Kulturgeschichte unserer Stadt. Es ist ein wichtiger Ort der Bildung und dient auch der Identifikation mit der Stadt durch die hier Lebenden. Die Stadtbibliothek konnte sich in zwei großen Etagen der Fabrik neu einrichten. Der Park Club bekam ein neues Profil. Das Alte Rathaus entwickelte sich kontinuierlich weiter zu einem viel beachteten Ort für Ausstellungen bildender Kunst. Der Festsaal ist über Jahrzehnte regelmäßiger und viel besuchter Ort von Kammermusik geblieben. Auch der Jazzclub nutzt die Räume der Fabrik und den Festsaal des Alten Rathauses. Von beachtlicher Bedeutung sind die Jazzkonzerte mit erstklassigen deutschen und ausländischen Musikern, die Peter Apitz mit seinem Jazzclub seit 24 Jahren organisiert.

Längst nicht alles konnte und kann ehrenamtlich bewältigt werden. Vieles bedarf öffentlicher Förderung auch durch Bereitstellung öffentlicher Räume. Das Alte Rathaus von Fürstenwalde ist seit vielen Jahrzehnten ein Ort kultureller Veranstaltungen. 

In ihm sind Bildenden Kunst und Kammermusik ein besonderer Schwerpunkt und wichtiger Akzent für die lebendige Innenstadt. Die Kunstgalerie präsentiert Bildende Kunst von vor allem regionalen Künstlerinnen aber auch regelmäßig internationale Gruppenausstellungen. In Europa einmalig und erfolgreich waren die internationalen Miniaturausstellungen bildender Kunst, die als Quadriennale stattfanden. Mit der Vorbereitung und Ausschreibung hätte sofort begonnen werden müssen, wenn sie noch in der Mitte des Jahres 2026 hätte stattfinden sollen. Auch wenn die Galerie nicht mehr von der Kulturfabrik verwaltet werden soll, muss sie doch weiter bestehen. Auch sie hat wichtige Bildungsfunktionen.

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Das Ausstellungsprogramm aber auch die Ausstellungsgestaltung und Werbung erfordern ein erfahrenes und qualifiziertes Team. Das gilt für alle Einrichtungen, die der Kulturfabrik gGmbH angeschlossen wurden. Das scheint nun nicht mehr nötig. Das Ausstellungsprogramm aber auch die Ausstellungsgestaltung und Werbung erfordern ein erfahrenes und qualifiziertes Team. Das gilt für alle Einrichtungen, die der Kulturfabrik gGmbH angeschlossen wurden, um sie technisch und organisatorisch zu unterstützen.

Doch die Galerieetage ist leergeräumt. Ihre Technik und Ausstattung sind abgebaut. Die Räume sind leer. Und womit sollen sie wieder gefüllt werden? Was wird da wirklich gespart?

Durch die Sparvorhaben sehe ich die Qualität aber auch die Existenz einiger Einrichtungen der Kulturfabrik bedroht oder zerstört. Einer Reihe von Mitarbeitern hatte gekündigt werden müssen. Es verbittert mich auch als Ehrenbürger dieser Stadt, dass viele Stadtverordnete selten oder fast nie Veranstaltungen der Kulturfabrik oder der Galerie besucht haben, aber über deren Schicksal zu entscheiden bereit sind. Wofür hat man mich geehrt? Was ist die Ehre wert?

Im Vorwort des Programmheftes zum 25. Bestehen der Kulturfabrik im Jahre 2022 schrieb Herr Rudolf als Bürgermeister:
„Die Kulturfabrik ist der schöne Geist und das kulturelle Herz der Stadt.“ 

Was wird bleiben?

Ihr Ehrenbürger Friedrich Stachat

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