Bürgermeisterin mahnt am Gedenktag zu Zivilcourage und Demokratie
Mit einem eindringlichen Appell gegen Antisemitismus, Geschichtsrelativierung und Menschenfeindlichkeit erinnerte die Bürgermeisterin der Stadt Storkow Cornelia Schulze-Ludwig am Holocaustgedenktag, an die Opfer des Nationalsozialismus und rief zu aktivem Engagement für Demokratie und Menschenrechte auf. In ihrer Rede verwies sie auf den 27. Januar als gesetzlich verankerten „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ und erinnerte daran, dass zu den Verfolgten und Ermordeten nicht nur die rund sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocausts zählen, sondern auch Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, politische Gegner, Homosexuelle, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Kranke und Menschen mit Behinderungen sowie viele weitere Gruppen. Zugleich machte die Bürgermeisterin deutlich, dass Erinnerung allein nicht ausreiche. Angesichts zunehmender antisemitischer Vorfälle, der Relativierung des Holocausts im aktuellen politischen Diskurs sowie jüngster Gewalttaten gegen jüdische Einrichtungen und Engagierte warnte sie vor einer gefährlichen Verharmlosung der Geschichte. „Nie wieder ist jetzt“, betonte sie erneut und knüpfte damit an ihre Rede von vor zwei Jahren an, nach der sich mehr als 250 Bürger an einem Demonstrationszug und einer Menschenkette für Demokratie und Zusammenhalt beteiligt hatten. Kritisch äußerte sich Storkows Bürgermeisterin zu aktuellen Falschdarstellungen der NS-Geschichte. Wer den Nationalsozialismus als sozialistische oder kommunistische Bewegung darstelle, verfälsche bewusst historische Tatsachen und verhöhne jene Menschen, die bereits vor und nach 1933 Widerstand gegen das NS-Regime geleistet hätten und zu dessen ersten Opfern gehörten. Ein zentraler Teil der Rede widmete sich der Frage nach Zivilcourage und Widerstand.
Storkows Stadtoberhaupt erinnerte daran, unter welchen lebensbedrohlichen Bedingungen Menschen im „Dritten Reich“ Verfolgten wurden, Widerstand leisteten oder ihre Meinung äußerten. Diese historischen Realitäten stellte sie aktuellen Behauptungen entgegen, Deutschland sei heute keine Demokratie mehr.
Besonders hob sie die lokale Verantwortung hervor. Nationalsozialistischer Terror habe nicht „irgendwo“, sondern auch in Storkow stattgefunden.
Deshalb wolle die Stadt auch weiterhin verstärkt an lokale Opfer und Widerstandskämpfer erinnern, ihre Schicksale erforschen und öffentlich machen. Abschließend rief sie dazu auf, aus der Geschichte konkrete Konsequenzen für die Gegenwart zu ziehen, für Recht und Freiheit einzutreten, Demokratie zu verteidigen und menschenfeindlichen sowie autoritären Ideologien entschieden entgegenzutreten. „Nie wieder ist jetzt.“ Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung waren die Teilnehmenden ins Rathaus der Stadt Storkow eingeladen.
Bei heißen Getränken und einer warmen Suppe entstand ein offener und intensiver Austausch darüber, warum das Erinnern an die Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft auch heute unverzichtbar ist. Dabei wurde auch thematisiert, wo Antisemitismus und Ausgrenzung nach wie vor sichtbar werden und welche Möglichkeiten jede und jeder Einzelne hat, im Alltag Haltung zu zeigen und Position zu beziehen. Das Gespräch in dieser Runde war geprägt von Offenheit, gegenseitigem Respekt und dem gemeinsamen Anliegen, Demokratie und Menschlichkeit aktiv zu stärken. Begleitet wurde der Austausch unter anderem vom Storkower Gästeführer Lutz Werner sowie von Thomas Ulrich von „Demokratie leben!“.
