Heilpädagogik, Naturheilkunde und gelebte Inklusion
Vor über zwanzig Jahren wurde die Heilpraktikerin und Diplom-Heilpädagogin Andrea Berlt vom damaligen pädagogischen Leiter bei JuSeV angesprochen, ob sie sich vorstellen könne, im Heilpädagogischen Hort an der Erich-Kästner-Schule mit dem sonderpädagogischen Schwerpunkt „Lernen“ in Fürstenwalde mitzuwirken. Das sei durchaus eine kleine Überraschung gewesen, erzählt sie. Zugleich eröffneten sich damit Möglichkeiten, die es zu erkunden galt. Die eingeräumte Bedenkzeit jedoch verflog wie im Fluge, denn innerlich hatte sie sich längst entschieden. In ihr lebte, so schilderte sie es, schon lange dieser tiefe Wunsch, Naturheilkunde und Heilpädagogik miteinander zu verbinden. Für sie eröffnete sich damit die Möglichkeit, ihr Wissen den Kindern zugutekommen zu lassen, die es im Leben nicht leicht haben: Kindern aus benachteiligten Familien, mit Beeinträchtigungen, mit drohenden Behinderungen oder mit herausfordernden Verhaltensweisen. Das war immer ihr Thema gewesen. Die Frage war nie ob, sondern nur, wie?
Als Heilpraktikerin und Diplom-Heilpädagogin wollte sie nie, dass ihr Wissen abstrakt bleibt, in Büchern steht oder sich auf Einzelbehandlungen beschränkt. Es sollte lebendig werden im Alltag von Kindern. Und so begann etwas, das sie heute ohne Zögern ihre Berufung nennt. Seit diesem Zeitpunkt lebt sie diese Leidenschaft im Heilpädagogischen Hort an der Erich-Kästner-Schule. Sie kann sich nichts anderes mehr vorstellen. Dieser Ort ist für sie kein Arbeitsplatz. Er ist ein Stück Leben.
Die Arbeit orientiert sich an den fünf Säulen von Sebastian Kneipp. Bewegung, Ordnung, Ernährung, Kräuter und Wasser sind keine Schlagworte, sondern gelebter Alltag. Die Kinder sind täglich draußen, bewegen sich spielerisch, laufen barfuß über unterschiedliche Untergründe, erleben Schnee, Gras und Sand. Sie lernen, wie gut frische Kräuter schmecken, ziehen Keimlinge selbst und erfahren, wie einfache Mittel Gesundheit stärken können. Ordnung bedeutet dabei innere Balance: Selbstregulation, Achtsamkeit und bewusster Umgang mit Medien. Seit 18 Jahren ist die Einrichtung zertifizierte Kneipp-Einrichtung, getragen von einem Team, in dem alle als Gesundheitserzieher bei JuSeV ausgebildet wurden und werden.
Ein Herzensanliegen war ihr und JuSeV von Anfang an die Inklusion. Zunächst betreute sie Kinder der Erich-Kästner- Schule mit dem Förderschwerpunkt „Lernen“. Ihr persönlicher Wunsch war es darüber hinaus, auch Kinder aus der Regelschule dazu zunehmen, damit sie voneinander lernen. Heute besuchen Kinder der Erich-Kästner- und der Theodor-Fontane-Schule gemeinsam den Hort, etwa zur Hälfte verteilt. Die Partnerschaft ist gewachsen, getragen von Vertrauen und gemeinsamen Projekten.
Besonders stolz, so Andrea Berlt, ist sie auf ihr Team. Viele haben ihre Ausbildung direkt in der Einrichtung gemacht. Andere kamen aus osteuropäischen Ländern – ursprünglich ausgebildete Lehrkräfte, die hier den Weg zur Erzieherausbildung gegangen sind. Heute arbeiten hoch qualifizierte Fachkräfte zusammen bei JuSev, mit Zusatzqualifikationen in Kräuterpädagogik, Medienpädagogik, Musiktherapie oder Elternberatung. Jeder bringt seine Begabung ein, und alle teilen dieselbe Haltung.
Medienpädagogik gehört selbstverständlich dazu. Kinder lernen hier einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien. Aus einer solchen Projektarbeit entstand sogar die Teilnahme an einer bundesweiten Kneipp-Challenge, zweimal wurde der erste Platz erreicht. Eine schöne Anerkennung für engagierte Teamarbeit. Musik und Theater sind weitere tragende Elemente. Sabrina Bosse-Neumann leitet unter anderem den Kinderchor an der Theodor-Fontane-Schule, begleitet Feste und gestaltet Musicalprojekte. Bei Feiern wird gesungen, gespielt und gelacht das Haus lebt von diesen Momenten.
Was sie alle trägt, ist die Energie der Kinder. Der Alltag ist manchmal fordernd, aber er ist voller Leben. Kinder schenken unmittelbare Freude, echte Begegnung und unverstellte Begeisterung. Diese Resonanz hält sie wach, bewegt und innerlich jung. Sie kommen jeden Tag mit einem Lächeln. Und solange sie diese Freude spüren, werden sie bleiben. Denn was hier entstanden ist, ist nicht nur ein Konzept. Es ist eine Haltung, getragen von Natur, von Pädagogik und von der tiefen Überzeugung, dass in jedem Kind eine Kraft steckt, die gesehen und gestärkt werden will.



