Gelebte Solidarität für Frauen und Kinder
Mit einer würdevollen Feierstunde im Tivoli der Kulturfabrik beging das Frauenhaus Fürstenwalde am Mittwoch sein 35-jähriges Bestehen. Zahlreiche Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter, Vertreter aus Politik, sozialen Einrichtungen und Gremien sowie Freunde und Unterstützer waren der Einladung gefolgt, um gemeinsam auf 35 Jahre engagierte Arbeit für Frauen und Kinder in schwierigen Lebenssituationen zurückzublicken und dem Team ihre Anerkennung auszusprechen. Für den musikalischen Rahmen sorgte das Gitarrenensemble der Musikschule Fürstenwalde, das mit einfühlsamen und zugleich beschwingten Klängen eine warme und festliche Atmosphäre schuf.
Die Vorsitzende des Vereins Frauen helfen Frauen e. V., Petra Schumann, blickte in ihrem Grußwort auf 35 Jahre Vereins- und Frauenhausarbeit zurück. Sie erinnerte daran, dass der Verein Anfang der 1990er-Jahre gegründet wurde, um Frauen und Kindern, die von Gewalt betroffen sind, Schutz und Unterstützung zu bieten. Aus diesem Engagement heraus entstand das Frauenhaus als sicherer Zufluchtsort für Betroffene. Schumann würdigte die Arbeit der Mitarbeiterinnen, Ehrenamtlichen und Unterstützer, die das Angebot über Jahrzehnte getragen haben. Zugleich betonte sie, dass diese Arbeit weiterhin notwendig sei, da Gewalt gegen Frauen nach wie vor ein drängendes gesellschaftliches Problem darstelle. Das Jubiläum sei daher nicht nur Anlass zum Rückblick, sondern auch Auftrag, sich weiterhin für Schutz, Beratung und ein gewaltfreies Leben für Frauen und Kinder einzusetzen.
Auch Fürstenwaldes Bürgermeister Matthias Rudolph würdigte das 35-jährige Bestehen des Frauenhauses und des Vereins Frauen helfen Frauen e. V. Er betonte, dass ein Frauenhaus kein Anlass zum Feiern, sondern vor allem ein Grund für Respekt und Anerkennung sei. Seit 35 Jahren leisteten Mitarbeiterinnen, Ehrenamtliche und Vereinsmitglieder wichtige Arbeit für Frauen und Kinder, die Schutz vor Gewalt suchen. Angesichts steigender Zahlen häuslicher und sexualisierter Gewalt hob er die weiterhin große Bedeutung von Frauenhäusern und Beratungsangeboten hervor. Gleichzeitig warb er dafür, den Fokus stärker auf die Prävention von Gewalt zu richten. Gewalt gegen Frauen sei keine Privatsache, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe, die Politik, Behörden und Gesellschaft gemeinsam tragen müssten. Sein Dank galt dem Team des Frauenhauses, den Vereinsmitgliedern sowie allen Partnern und Unterstützern, die diese Arbeit seit vielen Jahren ermöglichen.
Frauenhausleiterin Jessica Christoph blickte auf die Entwicklung des Frauenhauses Fürstenwalde seit seiner Gründung 1991 zurück. Bereits ein Jahr später fand die erste Frau mit ihren Kindern dort Schutz. Seither wurde das Angebot kontinuierlich ausgebaut – unter anderem durch mobile Beratung, die ehrenamtliche Rufbereitschaft an Wochenenden, die Erweiterung auf zwölf Plätze sowie einen barriereärmeren Umbau. Heute umfasst die Arbeit des Frauenhauses neben den Schutzplätzen auch eine Kontakt- und Beratungsstelle, mobile Beratung und Nachsorgeangebote. Zugleich verwies Christoph auf aktuelle Herausforderungen: Die Nachfrage nach Schutzplätzen sei hoch, die Problemlagen der Betroffenen würden zunehmend komplexer. Hinzu kämen Themen wie digitale Gewalt, fehlender Wohnraum nach dem Aufenthalt im Frauenhaus sowie die langfristige Sicherung der Finanzierung. Für die Zukunft seien daher der weitere Ausbau der Hilfsangebote und die Umsetzung neuer gesetzlicher Vorgaben wichtige Aufgaben.




