Über das Sprechen was schwerfällt
Jeder vierte Schweigt in der Region beim Arzt
Erschienen am Donnerstag, 10. September 2026 Lesezeit 2 Min.
Etwa 23 Prozent der Menschen in Berlin und Brandenburg haben bei einem Arztbesuch schonmal gesundheitliche Probleme oder Beschwerden aus Scham, Peinlichkeit oder Misstrauen nicht angesprochen. Bundesweit berichteten dies 18 Prozent. Das zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Barmer. Die Ergebnisse für Berlin und Brandenburg beruhten auf einer regionalen Teilstichprobe und zeigten regionale Tendenzen. Ein Arztbesuch sollte ein geschützter Raum sein, in dem auch unangenehme oder sehr persönliche Beschwerden ihren Platz haben. Wer wichtige Informationen aus Scham zurückhält, nimmt sich eventuell die Chance auf eine passende Diagnose und Behandlung. Deshalb möchten wir Menschen in der Region ermutigen, auch über vermeintliche Tabuthemen zu sprechen. Bundesweit berichteten der Umfrage zufolge jüngere Befragte besonders häufig, bei einem Arztbesuch schonmal Beschwerden oder andere gesundheitliche Themen verschwiegen zu haben. Bei den 18- bis 29-Jährigen seien es 28 Prozent. Mit steigendem Alter sinke der Anteil. Unter den Befragten ab 60 Jahren liege er bei 13 Prozent. Laut der Umfrage hätten 23 Prozent der Befragten angegeben, dass es ihnen schwerfalle, Partnerschafts- oder Beziehungsprobleme in der Arztpraxis anzusprechen. Bei Fragen der Sexualgesundheit oder sexuellen Problemen seien es 20 Prozent. Häusliche Gewalt oder Missbrauch würden 18 Prozent nennen. Damit würden die regionalen Werte jeweils unter den bundesweiten Anteilen von 28, 25 und 20 Prozent liegen. Wenn hinter körperlichen Beschwerden psychische Belastungen, Konflikte in der Partnerschaft oder Erfahrungen mit Gewalt stehen, kann es für die Versorgung entscheidend sein, diese Zusammenhänge zu erkennen. Dafür braucht es Vertrauen und das Bewusstsein, dass auch persönlichste Informationen in der ärztlichen Behandlung ihren Platz haben.



