Impuls von Prof. Dr. Georg Theunissen zum Fachtag

Im Haus Joseph auf dem Gelände der Samariteranstalten fand am Samstag der 25. Fachtag Autismus statt. Das Interesse an diesem teilzunehmen ist nach wie vor ungebrochen. Unter dem Atrium begrüßten Janine Runge Leiterin der Burgdorfschule die Teilnehmer und ging auf den Fachtag gesondert ein der in diesem Jahr unter dem Thema „Besonderheiten“ stand. Das vorbereitende Kollegium setzte sich speziell mit diesem Begriff für den Fachtag auseinander. Zu ihnen gehörte Adriana, Mischer, Assistenz der Leitung, Kinder und Jugendbereich und Fachkraft, Teilhabemanagement, Mandy Schubert-Möckel, Leiterin des Kinder- und Jugendbereiches sowie Saskia Winter, Leiterin des Autismus-Zentrums und die Schulleiterin der Burgdorfschule Janine Runge. Doch was verstehen wir eigentlich unter dem Begriff „Besonderheiten“? Fragte Janine Runge. Weiter sagte sie, dass dieser Begriff Menschen im Autismus-Spektrum häufig zugeschrieben werde. Gleichzeitig stelle sich die Frage, was damit tatsächlich gemeint sei. Gibt es Menschen, die besonderer sind als andere, oder ist nicht vielmehr jeder Mensch auf seine eigene Weise einzigartig? Janine Runge betonte, dass unabhängig von individuellen Eigenschaften jeder Mensch denselben Wert besitzt. Weiter erklärte sie, dass diese Überlegungen den Ausgangspunkt für die Planung des diesjährigen Fachtags bildeten. Der thematische Schwerpunkt sei aus zahlreichen Gesprächen und dem kollegialen Austausch entstanden.

Aus diesen vielfältigen Eindrücken sind die Schwerpunktthemen des Fachtags entwickelt worden.
Den Fachvortrag übernahm in diesem Jahr, Prof. Dr. Georg Theunissen Diplom-Pädagoge, Heil- und Sonderpädagoge mit einstigem Lehrstuhl für Geistigbehindertenpädagogik an der MLU -Halle-Wittenberg. In seinem Vortrag zum Thema „Autismus-verstehen Sicht und Perspektiven für die Praxis“ zeigte er verschiedene Perspektiven und Möglichkeiten eines unterstützenden Umgangs mit Menschen im Autismus Spektrum auf. Mit spürbarer Begeisterung und fachlicher Expertise beleuchtete Prof. Dr. Georg Theunissen in seinem Vortrag verschiedene Sichtweisen und deren Bedeutung für die praktische Arbeit. Zu Beginn beschrieb Prof. Dr. Georg Theunissen Autismus als ein Spektrum, das nicht nur Herausforderungen, sondern auch individuelle Stärken umfasst. Dabei stellte er ein modernes Verständnis von Autismus vor, das den Menschen in seiner Gesamtheit in den Blick nimmt. Autismus werde demnach nicht ausschließlich als Störung betrachtet, sondern als Teil der Persönlichkeit und individuellen Entwicklung eines Menschen.

Anzeige
Anzeige

Weiter erläuterte er, dass insbesondere Besonderheiten in der sozialen Kommunikation und Interaktion sowie eingeschränkte oder sich wiederholende Verhaltensweisen zu den zentralen Merkmalen des Autismus-Spektrums zählen. Darüber hinaus skizzierte Prof. Dr. Georg Theunissen die Entwicklung des Autismus Verständnisses. Während früher verschiedene Unterformen wie das Asperger-Syndrom unterschieden wurden, hat sich heute die Sichtweise eines umfassenden Autismus-Spektrums durchgesetzt. Moderne Diagnosesysteme tragen dieser Entwicklung Rechnung und berücksichtigen unterschiedliche Ausprägungen differenzierter. Zugleich wies er darauf hin, dass die Diagnostik weiterhin Herausforderungen mit sich bringt. Nicht immer lassen sich Betroffene eindeutig einordnen, weshalb in der Praxis teilweise alternative Beschreibungsmodelle genutzt werden. Insgesamt wurde deutlich, dass sich die Sicht auf Autismus von einer defizitorientierten hin zu einer Spektrumorientierten Betrachtungsweise entwickelt hat, auch wenn Fragen der Diagnostik und Klassifikation weiterhin diskutiert werden.

error: