Zwischen Irrsinn und Alltag
Sonntagnachmittag im Burgsaal der Storkower Burg zu verbringen, ist bereits etwas Besonderes. Wenn dazu noch die spitze Zunge des Kabarettisten Lothar Bölck in seinem Satireprogramm „Endspiel mit Verlängerung“ kommt, wird der Besuch umso unterhaltsamer. Von Beginn an sorgt das Programm für ein regelrechtes Trommelfeuer auf die Lachmuskeln. Inhaltlich bietet das Programm reichlich Stoff und liefert immer wieder neue, zugespitzte Beobachtungen, die beim Publikum nachwirken. Dabei wird auch das Unverständnis vieler Bürger aufgegriffen, die sich mitunter in einer politischen Welt wie in einem Irrenhaus oder Kindergarten wiederfinden. Lothar Bölck greift diese politischen Unwegbarkeiten pointiert auf und entwickelt daraus eine Sichtweise, die bewusst überspitzt und satirisch zugespitzt ist.
So etwa in einer überzeichneten Alltagsszene, in der selbst Straßenbau und Verkehrsführung ins Absurde kippen: Eine „Verkehrsdurchsage“ verweist auf eine gesperrte Straße und eine Umleitung „über den Radweg in Peru“ ein Beispiel für die bewusst irritierende Überhöhung bürokratischer Kommunikation. Ebenso wird der gesellschaftliche Umgang mit Arbeitsmoral satirisch gebrochen, wenn aus der Zuspitzung „wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ absurde sozialpolitische Überlegungen entstehen, die bis hin zu ironischen „Ausgleichsmaßnahmen“ für unterschiedliche Ernährungsformen reichen. Auch alltägliche technische und gesellschaftliche Entwicklungen werden aufs Korn genommen, etwa in den Betrachtungen rund um Elektromobilität. Ob lange Ladezeiten, die Suche nach Steckdosen oder die ironische Frage nach der Alltagstauglichkeit selbst ein Elektro-Taxi wird zur Bühne für pointierte Alltagsbeobachtungen und politische Nebenbemerkungen. Ergänzt wird dies durch zugespitzte Dialoge über Sprache, Medien und politische Kommunikation, etwa wenn Nachrichtenformate oder politische Begriffe ironisch hinterfragt und in ihrer Wirkung auf die Öffentlichkeit überhöht dargestellt werden. Insgesamt verbindet das Programm diese einzelnen Anekdoten zu einem satirischen Gesamtbild, das weniger auf konkrete Lösungen abzielt, sondern vielmehr die Widersprüche des politischen und gesellschaftlichen Alltags sichtbar macht und sie humoristisch überhöht.


